Cottbusser Studentin vor Unfalltod rassistisch beschimpft?

Gesendet August 12, 2017

Inzwischen ermittelt die Staatsanwaltschaft Cottbus auch wegen Beleidigung beziehungsweise Volksverhetzung gegen einen der Autoinsassen. "Wir kennen weder den Zeugen noch den Inhalt", erklärte Nothbaum gegenüber der RUNDSCHAU mit dem Verweis darauf, dass ein Schreiben mit der Bitte an den rbb ergehen werde, "dass wir diesen Zeugen hören möchten". Nach bisherigem Stand gehen die Ermittler weiter von einem tragischen Unfall mit Todesfolge aus.

Die Umstände des Todes einer ägyptischen Studentin in Cottbus werfen Fragen auf.

Nun hat der RBB mehrere Zeugen in dem Fall interviewt: zwei ägyptische Mitstudenten und einen Cottbuser. In einer Tempo-30-Zone neben den Straßenbahngleisen wird die Studentin von einem Auto erfasst. Die 22-Jährige war schwer verletzt und starb wenige Tage später im Krankenhaus. In einer ursprünglichen Mitteilung des zuständigen Polizeipräsidiums hieß es damals, die Frau sei durch eigenes Verschulden von dem Fahrzeug erfasst worden. Shaden ging uns voraus. "Sie landete auf dem Bürgersteig bei der Straßenbahnhaltestelle, und der Fahrer fuhr einfach weiter, ohne seine Geschwindigkeit zu verringern".

Die Aussagen der ägyptischen Studenten zum Unfallhergang und die Berichte über die rassistischen Beleidigungen werden jetzt von einem weiteren Zeugen bekräftigt, der sich ebenfalls gegenüber dem RBB äußerte. Er befürchtet, von Ausländerfeinden in Cottbus bedroht zu werden, und will deswegen nicht erkannt werden. In einer WhatsApp-Sprachnachricht an Freunde kurz nach dem Unfall soll er angeblich gesagt haben: "Die Leute, die im Auto saßen, haben überhaupt keine Einsicht gezeigt". Sie haben gelacht und Sachen gesagt, wie: 'Ja, die müssen halt gucken, die haben ja da zu Hause keine Straßen. "Und die sollen sich in ihr Scheiß-Land verpissen". "So ne Sprüche rausgehauen, obwohl die grad ein Mädchen vielleicht tot gefahren haben". Als sie blutend auf der Straße lag, sollen die Insassen des Unfallautos sie rassistisch beschimpft haben. Das lassen Aussagen von Zeugen vermuten - die Staatsanwaltschaft Cottbus bezweifelt allerdings deren Stichhaltigkeit.

Der Grund: Ein Dekra-Gutachten, das den Unfall rekonstruierte, hatte nach Angaben der Staatsanwaltschaft aber ergeben, dass der tödliche Zusammenstoß unvermeidbar gewesen sein soll. Die Polizei ermittelt gegen die Männer. Das Verfahren läuft noch. "Die zitierten Aussagen decken sich nicht mit unseren bisherigen Erkenntnissen und Zeugenbefragungen", sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft Cottbus, Horst Nothbaum, der in Berlin erscheinenden Tageszeitung "Neues Deutschland" (Wochenendausgabe). Die Polizeibeamten vor Ort hätten ebenfalls nichts mitbekommen.

Dieser Fall hat für Entsetzen gesorgt: Eine junge Frau wurde in Brandenburg überfahren - die Freunde des Unfall-Fahrers sollen das schwerverletzte Opfer ausgelacht haben!

Die anderen elf Austauschstudenten, die in Cottbus studieren, wohnen mittlerweile auf Betreiben ihrer Heimatuniversität in Berlin.