Nordkorea plant Raketenstarts Richtung Guam

Gesendet August 12, 2017

Nordkorea sollte sein Atom- und Raketenprogramm einstellen, während die USA und Südkorea ihre Militärmanöver aussetzen, um an den Verhandlungstisch zurückzukehren.

Nordkorea hat seine Drohung mit einem Angriff auf die US-Pazifikinsel Guam konkretisiert und damit die Verunsicherung weltweit nochmals erhöht.

In der neuen Stellungnahme aus Pyongyang heisst es nun, man werde bis Mitte August Pläne fertigstellen, nach denen vier Mittelstreckenraketen über Japan fliegen und etwa 30 bis 40 Kilometer vor Guam ins Meer stürzen sollen.

Diktator Kim hat nach eigenen Angaben schon konkrete Einsatzpläne für Raketenstarts in Richtung Guam. "Ihnen wird mit Feuer und Wut begegnet werden, wie es die Welt niemals zuvor gesehen hat".

Zudem verspottete das nordkoreanische Militär US-Präsident Donald Trump. Der Befehlshaber des Raketen-Kommandos, Kim Rak Gyom, sagte nordkoreanischen Staatsmedien am Donnerstag, Trump agiere senil, während er auf dem Golfplatz sei. "Die großen Führer, die ich kenne, sprechen keine Drohungen aus, solange sie nicht bereit zum Handeln sind", sagte der Republikaner dem US-Radiosender KTAR.

Wegens des eskalierenden Konflikts hat Südkoreas Präsident Moon Jae eine Dringlichkeitssitzung des Sicherheitsrates einberufen.

Nach einem Bericht der "New York Times" hatte der Chef des Weißen Hauses seine Äußerung nicht mit seinen Beratern abgesprochen. Der Präsident habe spontan auf eine Reporterfrage reagiert, berichtet die Zeitung. Bei einem Stopp auf Guam sagte Tillerson, er glaube nicht, dass es eine unmittelbare Bedrohung gebe, die Amerikaner könnten ruhig schlafen.

Auch die US-Regierung setzte ihre Kriegsrhetorik fort. US-Verteidigungsminister James Mattis warnte Pjöngjang vor allen "Aktivitäten, die zum Ende des Regimes und zur Vernichtung seines Volkes führen würden".

Durch Erfahrungen der Vergangenheit - Guam war wichtiger Stützpunkt im Vietnam-, Korea- und Irakkrieg - sei Guam die amerikanische Kommune, die am besten auf Koordination und Austausch mit dem Militär vorbereitet sei, sagte der Gouverneur der Insel, Eddie Calvo, am Mittwoch. Trump habe nur die nordkoreanische Rhetorik in gleicher Sprache beantworten wollen.

Ja. Bereits 2013 kam es zwischen Nordkorea und den USA zu großen Spannungen: Damals hieß es aus Pjöngjang, ein Atomangriff auf die USA sei endgültig genehmigt worden.

Zur atomaren Bewaffnung der USA hatte Trump getwittert: "Mein erster Befehl als Präsident war, das nukleare Arsenal zu erneuern und zu modernisieren". Guam ist das am weitesten vom Festland entfernte US-Territorium - und das einzige, das jemals von anderen Truppen besetzt wurde. Die "Washington Post" und zahlreiche Militärexperten in den Vereinigten Staaten wiesen darauf hin, dass diese Aussage unwahr sei. Am 28. Juli hatte Nordkorea zum zweiten Mal erfolgreich eine Interkontinentalrakete getestet.

Im Umkehrschluss heißt das aber auch: Nordkorea trifft mit Guam nicht nur die USA, sondern indirekt auch das Bündnis. Seit 2015 ist das System, das aufgrund der Eskalation mit Nordkorea inzwischen auch in Südkorea positioniert wurde, ein permanenter Bestandteil des Luftwaffenstützpunkts auf Guam. Diese hatte nach Berechnungen von Experten eine theoretische Reichweite von rund 10'000 Kilometern. Als Reaktion auf den Raketentest verhängte der UN-Sicherheitsrat die bislang schärfsten Wirtschaftssanktionen gegen Nordkorea.